Ursachen für einen Damenbart

Die Ursachen von Hirsutismus sind vielfältig und reichen von harmlosen genetischen Veranlagungen, über eine verstärkte Produktion von männlichen Sexualhormonen, bis hin zu androgen-produzierenden Tumoren der Eierstöcke oder der Nebenniere. In der Regel ist die Ursache jedoch harmlos und der Hirsutismus idiopathisch, also ohne einen fassbaren Grund und folglich genetisch oder ethnisch bedingt.

Die Ursachen für einen Damenbart im Überblick:

  • Genetische Veranlagung ohne krankhaften Hintergrund (familiär-idiopathischer Hirsutismus)
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Vorübergehender Haarwuchs bei Reizzuständen der Haut
  • Adrenogenitales Syndrom (AGS) – eher bei Virilisierung, also wenn auch weitere Vermännlichungen auftreten
  • Androgen-produzierender Tumor der Eierstöcke oder der Nebenniere
  • Hypophysen-Adenom
  • Einnahme von Androgenen (z. B. Doping)
  • Einnahme von manchen Medikamenten

 

Hirsutismus ist außerdem sehr oft mit Übergewicht und Insulinresistenz vergesellschaftet.

Diagnose – die Ursachen für den Hirsutismus bestimmen:

Treten die Symptome nicht während der Pubertät auf, ist eine genetische Veranlagung auszuschließen. Falls die Symptome zudem plötzlich erscheinen, kann die Ursache in einer vermehrten Androgen-Bildung liegen und somit von einem Tumor stammen. Um eine vollständige Diagnose sowie eine Differentialdiagnose zu stellen, sollte folgendes Stufenschema beachtet werden:

 

  • Anamnese und entsprechende Beobachtung der klinischen Befunde
  • Beobachtung des Zyklus und möglicher Oligo- oder Amenorrhoen (seltene oder ausbleibende Monatsblutunng)
  • Hormonanalytik

 

Erfassung der Werte folgender Hormone:

  • Testosteron
  • Dehydro-Epiandrosteron (DHEA)
  • Luteinisierende Hormon (LH)
  • Follikelstimulierende Hormon (FSH)
  • Prolaktin (PRL)

 

Idiopathischer Hirsutismus

In etwa 90 % der Fälle liegt die Ursache an der Hormonellen Steuerung. Dabei handelt es sich, anders als eine lange Zeit von Medizinern angenommen wurde, nur selten um einer übermäßige Ausschüttung des männlichen Hormons Testosteron, sondern vielmehr um eine ausgesprochen starke Reaktion der Haut auf dieses Hormon. Dies lässt sich mit einem einfachen Bluttest klären. Hierbei handelt es sich um idiopathischen Hirsutismus, also einen verstärkten Haarwuchs, der nicht auf eine Grunderkrankung zurückzuführen und somit harmlos ist. Der Prozess ist in der Regel schleichend und beginnt meistens während der Pubertät.

Ein familiär-idiopathischer Hirsutismus kann jedoch auch an einer leicht erhöhten Produktion oder Konzentration an Testosteron oder anderen Androgenen liegen.

Auch in den Wechseljahren kann es zu einem idiopathischen Hirsutismus aufgrund eines Hormon-Ungleichgewichts kommen, da dabei die Produktion des weiblichen Hormons Östrogen nachlässt, während die Produktion des männlichen Hormons Testosteron konstant bleibt. Auch weitere hormonelle Veränderungen wie etwa in einer Schwangerschaft können einen, in der Regel lediglich zeitweiligen, verstärkten Haarwuchs verursachen.

Das Polyzystische Ovar-Syndrom

Die zweithäufigste Ursache für Hirsutismus ist das sogenannte Polyzystische Ovar-Syndrom (kurz: PCO-Syndrom bzw. PCOS). Dabei handelt es sich um die am weitesten verbreitete Stoffwechselstörung geschlechtsreifer Frauen und um eine der üblichsten Ursachen für einen erhöhten Androgenen-Spiegel.

Der Frauenarzt kann mit einer einfachen Ultraschalldiagnostik feststellen, ob PCOS vorliegt. Meist geht die Stoffwechselstörung mit einer Insulinresistenz einher, weshalb auch Übergewichtige eine besondere PCOS-Disposition vorweisen.

Reizzustände der Haut

Ebenfalls gesundheitlich harmlos ist der verstärkte Haarwuchs bei Reizzuständen der Haut wie zum Beispiel um frische Narben, aufgrund einer längeren Abdeckung durch Verbände oder Pflaster, nach oberflächlichen Venenentzündungen oder bei einer chronischen Beinvenenschwäche. Der Körper bildet die Haare, meist nur zeitweilig, um die geschwächten Stellenzusätzlich vor äußerlichen Einwirkungen zu schützen.

Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Das Adrenogenitale Syndrom fasst eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen zusammen, bei denen die Hormonsynthese in der Nebennierenrinde gestört ist. Diese Störung wird durch ein nicht funktionierendes Enzym verursacht, wobei es sich meistens um das Enzym 21-Hydroxylase handelt. Im Versuch die Störung auszugleichen, schüttet der Körper vermehrt ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) aus.

Da die Bildung der Sexualhormone, welche ebenfalls in der Nebennierenrinde erfolgt, nicht gestört ist, geriet dieses allerdings aus dem Gleichgewicht und es kommt zum Hirsutismus aber auch zu weiteren Vermännlichungen wie etwa eine mangelnde Brustentwicklung, Akne, Störungenen des Menstruationszyklus und Unfruchtbarkeit.

Tumore der Eierstöcke oder der Nebenniere

In seltenen Fällen ist ein Tumor der Eierstöcke oder der Nebenniere die Ursache für den Hirsutismus. Da bei Frauen dieFreisetzung von Androgenen, also von männlichen Hormonen, aus den Zellen der Nebennieren oder der Eierstöcke erfolgt, kann dieser Prozess durch Tumore gestört werden. Durch das Geschwulst produzieren diese dann unter Umständen selber Androgene, wodurch sich die Produktion der männlichen Hormone im Gesamten erhöht, was zu vermehrten Androgenen-Werten im Blut und somit zu Hirsutismus und weiteren Vermännlichungen führt.

Hypophysen-Adenome

Die Hypophysen-Adenome sind gutartige Tumore der Hypophyse. Diese ist eine Hormondrüse, der unter anderem eine übergeordnete Rolle bei der Steuerung der Androgenproduktion bei der Frau zukommt. Tumore der Hypophyse können daher die Hormonfreisetzung stören und folglich Signale zur Androgenen-Produktion aussenden.

So können die Geschwulste zum Beispiel zu einer verstärkten Ausschüttung von ACTH (Adrenokortikopes Hormon) führen, wodurch die Eierstöcke und die Nebenniere dazu angeregt werden, mehr Androgene zu bilden.

Medikamente und Doping

Hirsutismus kann auch aufgrund von extern zugeführten Substanzen wie etwa Anabolika, Glukokortikoide oder Spironolacton auftreten. Es entsteht insbesondere bei Doping oder hoch dosierten bzw. lang andauernden Behandlungen mit gewissen Medikamenten. Beim Doping handelt es sich in der Regel um Peptid- und Glykoproteinhormone oder Anabole Steroide.

Erstere sind körpereigene Eiweiße, die unter anderem für die Steuerung gewisser Hormone zuständig sind und folglich die Wachstumshormonproduktion erhöhen können, während Anabole Steroide synthetische Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron sind.

 

Doch auch Arzneistoffe wie etwa Spironolacton oder Cyclosporin A können zu einem verstärkten Haarwuchs führen. Spironolacton ist ein sogenannter Aldosteron-Antagonist, der bei hohen Dosierungen zu hormonellen Störungen und somit zu Vermännlichungen bei Frauen führen kann.

Cyclosporin A ist ein aggressives Medikament, das die Immunabwehr unterdrückt aber auch Organe schädigt, die zu Hormonproduktion oder –Steuerung relevant sind. Daher kann Cyclosporin auch zu Hirsutismus führen.
Die Einnahme folgender Substanzen kann Hirsutismus verursachen:

  • Androgene
  • Anabolika
  • Gestagene
  • ACTH
  • Glukokortikoide
  • Minoxidil
  • Cyclosporin
  • Diazoxid