Hirsutismus – Haarwuchs bei Damen

Sehr viele Frauen leiden darunter, sich zu stark behaart zu fühlen. Dabei handelt es sich nicht zwingen um Hirsutismus, der Leidensdruck kann aber dennoch sehr hoch sein. Während eine verstärkte Behaarung auch musterunabhängig auftreten kann, liegt beim Hirsutismus ein männliches Behaarungsmuster vor, welches jedoch nur selten mit einem medizinischen Problem einhergeht.

Beschreibung und Definition von Hirsutismus

Als Hirsutismus wird eine verstärkte Körperbehaarung bei Frauen bezeichnet, die an für Männer typischen Stellen auftritt. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „haarig“ (hirsutus). Dieses für Männer typische Behaarungsmuster umfasst vor allem den Haarwuchs an Oberlippe, Wange, Oberarmen, Rücken und Bauch. Dort wachsen bei den meisten Frauen die sogenannten Vellushaare, also sehr dünne und helle Flaumhaare. Beim Hirsutismus befinden sich dort jedoch Terminalhaare, also kräftige, vollständig ausgebildete und pigmentierte Haare.
Das männliche Behaarungsmuster:
Wachstum von Terminalhaaren…

  • am Oberlippen- und Kinnbereich
  • an der Wange
  • an den Oberarmen
  • zwischen den Brüsten
  • um die Brustwarzen
  • zwischen den Schultern
  • am unteren Rücken
  • an den Oberschenkelinnenseiten
  • an der Mittellinie des Bauches
  • an den Zehen-rücken
  • um den Anus

 

Die Grenze zwischen Normalzustand und Hirsutismus ist dabei fließend und der Leidensdruck individuell hoch aber auch Kulturabhängig. Die Ursache ist meist eine vermehrte Androgenbildung, also ein erhöhtes Vorkommen an männlichen Sexualhormonen, doch es können auch andere hormonelle Erkrankungen oder gar Tumore dahinter stecken. In der Regel ist Hirsutismus jedoch harmlos und es steckt keine Grunderkrankung dahinter. Abzugrenzen ist Hirsutismus von der Hypertrichose, bei welcher die verstärkte Körperbehaarung unabhängig vom männlichen Verteilungsmuster auftritt.

Diagnose

Unter anderem kann Hirsutismus anhand des Ferriman-Gallwey-Indexes bestimmt werden. Dieser unterteilt den Körper in 9 Regionen und beschreibt dann die Verteilung der Terminalhaare mithilfe einer Skala von 0 bis 4. Ab einer Summe von 8 oder mehr Punkten wird dann Hirsutismus diagnostiziert. Allerdings stellt dies keinen Maßstab für den Leidensdruck der Patientinnen dar. Bei der Diagnose ist ferner die Bestimmung des freien Testosterons und des DHEA-Sulfats im Plasma obligatorisch. Wenn diese Werte normal sind, ist die Diagnose idiopathisch, also ohne eine fassbare Ursache. Sind sie hingegen erhöht, kann es auf einen Tumor der Nebennieren oder der Eierstöcke hindeuten.

 

Differentialdiagnose

Bei der Hypertrichose werden, wie beim Hirsutismus die Vellushaare an einigen Stellen durch Terminalhaare ersetzt. Bei ersterem gibt es jedoch kein bestimmtes Behaarungsmuster bzw. tritt die vermehrte Behaarung auch an für Frauen typischen Bereichen auf. Die Virilisierung, also „Vermännlichung“ hingegen bezeichnet eine generelle Ausbildung von männlichen Geschlechtsmerkmalen. Zu ihnen gehören neben einer verstärkten, männlichen Behaarung auch das Ausbleiben der Regelblutung und das Entwickeln einer tiefen Stimme.

 

Verbreitung und Statistiken

Weltweit sind etwa 5 % bis 15 % der gesunden Frauen von Hirsutismus betroffen, wobei die fließende Grenze zum Normalzustand vom genetischen Hintergrund abhängig ist. In Nordamerika und Europa liegt der Durschnitt bei ca. 10 %der Frauen im gebärfähigen Alter. Ferner sind 2 % der Frauen von einer Behaarung auf dem Brustbein betroffen, während etwa jede sechste Frau einen mehr oder weniger ausgeprägten Haarwuchs über der Oberlippe oder im Kinn- und Wangenbereich aufweist. Experten zu Folge leiden außerdem allein in Deutschland über 3,5 Millionen Frauen unter einem Damenbart.

 

In Europa entfernen außerdem über 70 % der erwachsenen Frauen unerwünschte Haare regelmäßig. Frauen mit einem helleren Teint leiden in der Regel stärker unter dem Hirsutismus, da die pigmentierten Terminalhaare einen größeren Kontrast zur hellen Hautfarbe aufweisen und dadurch auffälliger sind.
Eine Studie mit 633 zufällig ausgewählten weißen und schwarzen Frauen konnte keine Unterschiede in Bezug auf die Hautfarbe feststellen. Dieselbe Studie zeigte jedoch auch, dass sich sowohl bei den Frauen mit einem Indexwert von 8, ab dem der Hirsutismus offiziell beginnt, als auch bei den Frauen mit einem Indexwert von nur 3 etwa 70 % als zu stark behaart fühlten. Von den Frauen mit einem Indexwert von unter 3 hingegen empfanden sich nur 15,8 % als übermäßig behaart.

Umgang und Öffentlichkeit

Die berühmte mexikanische Malerin Frida Kahlo ist besonders für ihre Selbstportraits bekannt, bei denen sie ihre dicht zusammengewachsenen Augenbrauen stets mitgezeichnet und oftmals auch noch stärker ausgeprägt, als sie wirklich waren, dargestellt hat. Mit dieser Distanzierung zum traditionellen Schönheitsideal entwickelte sie ihr Markenzeichen.
Demgegenüber waren bärtige Frauen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil von sogenannten „Freak Shows„, also Jahrmarktsattraktionen die durch die Lande zogen. Als eine der bekanntesten davon gilt Jane Barnell, die unter dem Namen Lady Olga Roderick in einem Zirkus arbeitete und auch im Filmklassiker „Freaks“ von Tod Brownings mitspielte.
Sehr bekannt ist auch das Bildnis der Margret Halseber, ein Portrait aus dem 16. Jahrhundert. Dies zeigt eine stark von Hirsutismus betroffene Frau und wird dem Künstler Willem Key zugeschrieben. Es wurde jedoch in mindestens drei weiteren Versionen hergestellt, von denen die eine mit dem Namen der Porträtierten versehen ist. Bis 1972 befand sich dieses Exemplar im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen, danach wurde es gestohlen und seither nie wieder aufgefunden.

 

Hirsutismus ist in der Schedelschen Weltchronik beschrieben und bildlich dargestellt, wodurch ersichtlich ist, dass er mindestens seit dem 15. Jahrhundert bekannt ist. Die Schedelsche Weltchronik ist eine universalhistorische Darstellung der Weltgeschichte, die 1493 in Nürnberg erschien.